19. August 2015

Ausstellung .:. Karl Lagerfeld. Modemethode

Foto: Jens Utzt, © Studio Condé Nast 2015

Die Bundeskunsthalle Bonn zeigt seit dem 28. März die Ausstellung Karl Lagerfeld. Modemethode, die wir Ende Juli endlich besuchen konnten. Das obige Bild zeigt ein Foto von Lagerfelds Schreibtisch und damit einen kleinen Einblick in die Arbeitsweise des einflussreichsten Modeschöpfers unserer Zeit. 
Erst gestern habe ich in einer Modezeitschrift gelesen, Karl Lagerfeld entwerfe pro Jahr 17 Kollektionen, die bekanntesten davon sind wohl die für Chanel, Fendi und für seine eigene Linie Karl Lagerfeld.
Da ich mich für Mode und Modedesign interessiere, habe ich natürlich inzwischen einiges über Lagerfeld gehört, gelesen, gesehen... daher haben wir die Ausstellung ohne Führung besucht. Da auch mein Freund/Fotograf sehr kunstinteressiert und auch kunstverständig ist, haben wir die ausgestellten Stücke einfach auf uns Wirken lassen.
Den Anfang der Ausstellung macht der berühmte Mantel, für den Lagerfeld 1954 den Preis des Internationalen Wollsekretariats (Woolmark Prize) gewann.
Foto: David Ertl, 2015, © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Ich finde diesen Mantel faszinierend: die Knopfleiste und die Taschen sind klassisch, der Ausschnitt mit Gürtelschnalle muss in den 50er Jahren sehr modern gewirkt haben. Aber auch heute noch wirkt dieser Mantel auf mich (entschuldigt dieses antiquierte Wort) pfiffig. Welch ein Geniestreich den Gürtel aus der Taille einfach in den Ausschnitt zu verlegen?!
Die Auszeichnung für den Mantel war dementsprechend auch Lagerfelds Eintrittskarte in die Modewelt: er bekam eine Stelle bei Balmain. Dies ist übrigens nicht der originale Mantel von 1954, sondern es ist ein nachgeschneidertes Modell von Deborah Milner aus dem Jahr 2015.
Folgt man der Straße des Lagerfeldschen Modelebens weiter (denn als solche ist die Ausstellung gestaltet), springen dem Besucher seine farbenfrohen Entwürfe für Fendi entgegen.
Courtesy Fendi Archives, Fotos: David Ertl, 2015, © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Der Pelzmantel mit gelben Ärmeln und grün-grauen Vorderteilen und der braune Mantel mit cremefarbenen und blauen Quadraten sind meine Favoriten. Hier ist deutlich zu erkennen, was Lagerfeld mit "Fun Fur" (frei übersetzt vielleicht soviel wie "lustiger/spaßiger Pelz") meinte und dies spiegelt auch meine Meinung über Mode wieder: Mode muss Spaß machen (für mich allerdings dann lieber ohne echten Pelz).
Die Ausstellung zeigt neben Lagerfelds Kreationen für Fendi, Chloe und seine eigene Kollektion natürlich auch Stücke, die er für Chanel entworfen hat. Betrachtet man die Kreationen eine Weile wird deutlich, dass Lagerfeld mit jeder neuen Kollektion die Kastenjacke neu interpretiert und dem jeweiligen Zeitgeist anpasst. Dabei bin ich mir gar nicht so sicher, ob Lagerfeld den herrschenden Zeitgeist aufgreift oder ihm mit jeder neuen Kollektion selbst neues Leben einhaucht. Denn immerhin beeinflussen die Lagerfeldschen Kollektionen weitere Modelabels und letzendlich auch die massentauglichen Modeketten (Ich erinnere mich da z.B. an die von Chanel gezeigten Taschen in Milchtüten-Form, die schließlich auch bei Asos (hier und hier) und anderen Modeketten zu kaufen waren).
Chanel Haute Couture, Chanel Collection, Fotos: David Ertl, 2015, © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Am liebsten hätte ich jedes dieser Chanel Haute Couture Stücke angefasst und genau analysiert, wie es genäht wurde. Wie wurde der Schnitt entworfen? Wie ist die Nahtführung? Wie wurden die Bouclé-Stoffe versäubert? Wie wurden die unzähligen Schmucksteinchen, Borten und Spitzen aufgenäht? All diese und noch mehr Fragen schwirrten mir im Kopf.
In jeden einzelnen Stück stecken so viele Details, die man (leider nur mit den Augen) erkunden kann. Wirklich hohe Schneiderkunst!
Der Abschluss und auch sicherlich der Höhepunkt der Ausstellung, ist der letzte Ausstellungsraum... ich möchte ihn Ballsaal nennen. Man betritt den Raum durch einen Bogen aus cremefarbenen Blüten, die die ganze Decke einhüllen, erst auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass es sich um bearbeitete Blätter des von Lagerfeld so geschätzten Gmunder Papiers handeln. Ein magischer Raum voller Chanel Haute Couture.
Chanel Haute Couture, Chanel Collection, Fotos: David Ertl, 2015, © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Die Ausstellung zeigt zwar nur einen kleinen Ausschnitt der über 60 Jahre, die Karl Lagerfeld bereits in der Modewelt lebt/arbeitet, gewährt aber eine beeindruckende Einsicht in die Modemethode des Meisters.
Falls Ihr die Gelegenheit habt, empfehle ich Euch diese Ausstellung unbedingt zu besuchen. Ich war beeindruckt, überwältigt und inspiriert zugleich!
So berauscht habe ich mich selbst an meine (kleine und bescheidene) Herbstkollektion gemacht und freue mich schon, Euch meine selbst genähten (teilweise von Lagerfeld inspirierten) Kleidungsstücke zu zeigen.
Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Bundeskunsthalle für die Pressefotos.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 13. September in der
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn
Öffnungszeiten: Di und Mi 10-21 Uhr, Do bis So und feiertags 10-19 Uhr.
Der Eintritt kostet für Erwachsene 10€.
Fotografieren ist in der gesamten Ausstellung nicht erlaubt.
Chanel Knöpfe, Fotos: David Ertl, 2015, © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Kommentare:

  1. Guten Morgen und DANKESCHÖN für die ausdrucksstark eingefangenen Impressionen des großen KL!

    LG
    aus der Ecke von Ulm

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  2. Du hast uns auf eíne wundervolle Vorab-Führung mitgenommen - ich hoffe, ich kann die Ausstellung noch live bewundern!
    Liebe Grüße und herzlichen Dank
    Sandra

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  3. Schöne Bilder, aber das war dann auch schon die ganze Ausstellung! Ich fand sie museumspädagogoisch unter allem Standard.Von Aufarbeitung keine Spur. Die Marke Lagerfeld wurde so präsentiert, wie er das wohl gerne gehabt hat und das war's. Kein nennenswerter Katalog. Kein Kontext. Kein einziges Mal das "Innenleben", die Konstruktion gezeigt. Die Ausstellung reiht sich wunderbar in den Stil der Bundeskunsthalle ein. Große Show, wenig kritische Masse.

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    1. Liebe Alexandra,
      das hört sich so an, als hättest Du schon öfters schlechte Erfahrungen mit der Bundeskunsthalle gemacht.
      Wahrscheinlich kommt es sehr auf die Erwartungshaltung an. Ich hatte nicht erwartet, das Couturnähen vorgestellt zu bekommen oder wie die Kleider "von Innen" aussehen... Ich hatte tatsächlich einfach eine Art Kunstausstellung mit Kleidungsstücken erwartet und daher hat die Ausstellung meine Erwartungen erfüllt.
      Ich bin recht häufig in Kunstmuseen unterwegs und lese mir selten die Texte zu einzelnen Bildern durch, das hat mir an der Ausstellung daher gefallen... man musste nicht so viel lesen, sondern konnte sich seine eigenen Gedanken machen. Auch die Reihenfolge fand ich recht logisch. Es ging in der Ausstellung ja um die Methode Lagerfelds, Mode zu machen... und das hat sie doch gut vermittelt?! Viel Struktur, Altes verwenden und mit Neuem verbinden.
      Merkwürdig fand ich nur die Straßenoptik der Ausstellung, denn auf die Straße passt die Haute Couture nunmal wirklich nicht.
      Die Ausstellung schien mir zu Ehren Karl Lagerfelds, da ist es ja nur verständlich, dass eben nicht kritisiert wurde. Da wäre, meiner Meinung nach, auch eine ganz andere Darbietungsart nötig gewesen, außerdem dann auch nicht bezogen auf Lagerfeld, sondern eher auf die gesamte Modewelt (Echtpelz, Modezirkus, Magerwahn etc.).
      Schade, dass Dir die Ausstellung nicht so gut gefallen hat.
      Liebe Grüße,
      Stef

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  4. Nachdem ich jetzt endlich auch dort war, stimme ich dir zu; die Ausstellung ist definitiv einen Besuch wert.
    LG von Susanne

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  5. Vielen Dank für den interessanten Post mit den vielen Eindrücken. Vielleicht geht die Austellung auf Reisen und man kann sie auch in Norddeutschland bewundern, das wäre schon schön.
    Ganz lieben Dank für Deine ausführlichen Kommentar zur Nahtqualität der Pfaff Maschinen. Es ist immer tröstlich wenn auch andere ähnliche Erfahrungen machen, da kommt man sich nicht so "aussätzig" vor ;-) ich hoffe die Reparatur wird erfolgreich und ich kann wieder nähen. ein zweites Mal würde ich mir jedoch keine Paff kaufen. Ich hatte jetzt mal nachgelesen: seit Ende der 1990er Jahre gehört Pfaff wie Singer und Husqvarna Viking zu einem Konzern, dessen Eigentümer eine Private Equity Gesellschaft ist, Sitz auf den Bermudas. Was da in Ingenieurkompetenz noch vorhanden ist, weiss ich nicht. Etwas ausführlicher hier: http://kuestensocke.blogspot.de/2015/08/entzaubert.html
    Liebe Grüße und ich halte die Daumen, dass Deine Maschine länger als 2 Jahre bis zur nächsten Reparatur durchhält. Kuestensocke

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  6. Wie schade, dass die Ausstellung so weit weg ist. Die Bilder sehen sehr vielversprechend aus.

    Liebe Grüße,

    Julia

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